285,58€ – Prolog

258,85€. So viel war in der Kasse als er mit einer Waffe in den Laden kam. 258,85€ ist unser Leben an dem Abend wert gewesen. In einer Sekunde haben wir noch gelacht und Scherze gemacht. In der nächsten Sekunde schauten wir in die Mündung einer Waffe.

“Kasse öffnen”

Ich verstand nicht, was viele Menschen an Waffen so faszinierend finden. Sie haben nichts Gutes an sich. Sie brennen ein Loch in den Körper, löschen Familien aus, verursachen nur Schmerz und Verderben. Natürlich ist es schön sich machtvoll zu fühlen. Aber sollte jeder die Chance dazu haben? Sich machtvoll fühlen – Herrscher über Leben und Tod? Er hätte diese Chance nicht haben sollen.

“Los, mach die Kasse auf du dumme Schlampe!”

Das Einzige was ich tun konnte ist auf die Mündung zu starren. Dieser perfekte schwarze Kreis, der mein Verderben ankündigte und mich verhöhnte. Wie in Trance wollte ich die Kasse öffnen. Meine Kollegin stand seitlich an Ihrem Arbeitsplatz und war gelähmt vor Angst.

“Die Kasse kann man nicht einfach so öffnen. Das geht nur, wenn man etwas verkauft”, murmle ich vor mich hin.

Diese kleinen Millisekunden in denen man etwas sagte und im Kopf tausende von Zwischenschritten durchgeht. Automatisch greife ich mit zitternden Händen den nächstbesten Gegenstand um die Kasse zu entsichern. Wenn der eigene Körper starr ist und man sich selbst von außen beobachtet, als würde man vor einem Fernseher sitzen, vergeht die Zeit viel langsamer. Ich gab den Verkäuferpin in das Display ein. Scannte die Designerarmbänder ab. Wobei das Zittern schlimmer wurde, brauchte ich drei Anläufe.

Er wurde ungeduldig. ich sah es an dem zuckenden Kreis der Mündung vor meinem Gesicht. An den Schweißperlen, die an seiner Schläfe entlang liefen. Eigentlich hätte ich mir das Gesicht einprägen sollen – auf Muttermale und Besonderheiten achten müssen. Aber alles, wozu ich fähig war, war auf diesen zitternden Kreis zu achten.

Ich griff in die Kasse um ihm das Bargeld zu geben, als sich etwas vor der Ladenglasscheibe bewegte. Ein Passant gab einen erstickten Laut von sich und rannte weg. Instinktiv schaute auch er hin. Hektisch drehte er sich wieder zu mir um, griff nach dem Geld, als sich ein Schuss löst.

Die einzelnen Momente waren so schnell, dass mein gelähmter Geist es nicht wahrnehmen konnte. Alles, was ich wahrnahm war der Schmerz. Ein Brennen, dass sich Wege durch meinen Körper bahnt. Ein Brennen wie eine Glut, die sich langsam an einem Stück Papier entlang fraß.

“Scheiße, Scheiße, Scheiße… das hab ich nicht gewollt”, sagte er, während er rückwärts lief. Seine Stimme wird immer leiser während er in die Nacht hinaus entschwand. Der hohe Schrei meiner Kollegin Allison weckte mich aus meiner Starre. Meine Finger suchten sich Ihren Weg zu dem brennenden Loch, was nun zu mir gehörte. Blut. Überall Blut. Ich fühlte die klebrige Substanz an meinen Fingern heruntertropfen während ich mir den Bauch hielt. Verwirrt hob ich meine Finger vor mein Gesicht. Mein Gehirn war überfordert. Mein außenstehendes Ich sagte mir, ich solle die Hand auf die Wunde pressen. Doch alles was ich konne, war sie anzustarren. Ich taumelte nach hinten als meine Kollegin zu mir kam und merkte nur, wie ich in ein erlösendes schwarzes Nichts fiel.

258,85€. So viel war mein Leben an diesem Abend wert.

Veröffentlicht von Books_of_Namine

Hallo ihr Lieben und willkommen auf meinem Blog 😊! Hier möchte ich mich mit euch über Bücher austauschen sowie hin und wieder auch was eigenes veröffentlichen. Gerne könnt ihr mir auch Nachrichten schicken und mir eure Meinung zu dem ganzen Geschreibsel mitteilen. Alle Einträge behandeln Werbung, weil sie selbstgekaufte Bücher zeigen. Sollte ich ein Rezensionsexemplar zeigen, wird dies natürlich angegeben 😉. Nach und nach verändert sich die Seite noch etwas... so! Genug gefaselt - viel Spaß beim durchblättern 😘

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